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Werkstattmitarbeiter besuchen Wildbienen-Nisthilfe im Bamberger Sortengarten

Im Bamberger Sortengarten blühen neben Klatschmohn, Akelei und Goldlack auch Gemüse, wie Spitzwirsing, Rettich und Bohnen. Die seltene Bamberger birnenförmige Zwiebel wächst dank des vielen Regens dieses Jahr besonders gut. Und dass die Ernte dieses Jahr üppig sein wird, ist auch ein Verdienst der Insekten, die fleißig Blüten bestäuben und somit für Früchte gesorgt haben. Gerade fleißige Wildbienen finden ideale Bedingungen im Bamberger Gärtnerviertel zwischen Mittelstraße und Heiliggrabstraße. Hier wachsen und gedeihen viele regionale Pflanzen und Obstbäume, die den Bienen Nahrung geben. Eine Wildbienen-Nisthilfe aus der Werkstatt Ohmstraße 1 steht seit drei Monaten im Bamberger Sortengarten. Bei einem Ortstermin konnten sich jetzt zwei Mitarbeiter der Lebenshilfe von dem guten Stellplatz in dem blühenden Nutzgarten überzeugen. „Mit dem Ziel, vor allem die besonderen Bamberger Lokalsorten zu erhalten und zu vermehren, beherbergt der Bamberger Sortengarten heute mehr als 30 verschiedene, alte Gemüsesorten“, beschreibt Ulrike Aas, Vorsitzende des Bamberger Sortengartens e.V. die Aufgabe ihres Vereins und erläutert, warum sie mit ihren ehrenamtlichen Helfern die Nisthilfe aufgestellt hat: „Um samenfestes Saatgut aus unseren verschiedenen Gemüsesorten zu gewinnen, sind wir natürlich auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen und was liegt da näher, diesen tierischen Helfern auch ein optimales Zuhause anzubieten. Dabei sind wir auf die Nisthilfen der Lebenshilfe gestoßen. Wir sind erstaunt gewesen, dass schon nach zwei Wochen die ersten Bienen die Nisthilfe angeflogen haben und mittlerweile ganz viele Löcher gefüllt haben.“ 

Markus Dorbert, ein Mitarbeiter aus der Lebenshilfe-Werkstatt, der dort die Nisthilfen herstellt, erläutert den Lebenszyklus der Wildbienen: „Im Frühjahr schlüpfen die Bienen aus ihren Kokons und bestäuben Obstbäume und Blumen. Sie tragen Pollen und Nektar in die Nisthilfe und legen dort ihre Eier ab. Aus den Eiern schlüpfen Larven, fressen Pollen und Nektar und verpuppen sich in einem Kokon, aus dem im nächsten Frühjahr wieder neue Bienen schlüpfen.“ Aufgrund der durchdachten Bauweise der Nisthilfe ist es im Winter möglich, die Nistgänge und Kokons zu reinigen und damit zu verhindern, dass Parasiten und Fressfeinde sich ausbreiten. Dies ist auch der Unterschied zu herkömmlichen Insektenhotels, in denen meist doch nur wenige Insekten Unterschlupf finden und deren Röhren nach einigen Jahren „verstopft“ und von Parasiten befallen sind.
Die Wildbienen sind friedliche Tiere und greifen nicht an. Die Wildbienen lassen sich ohne Aufwand vermehren und somit kann jeder die Natur ein bisschen im Erhalt der Artenvielfalt unterstützen. In einer Nisthilfe entstehen jährlich bis zu 2000 Wildbienen.

Bei einer anschließenden kleinen Führung durch den Sortengarten konnten die diversen Gemüsesorten erkannt und benannt werden. Alle Fragen von Michele Dusold und Markus Dorbert wurden von Ulrike Aas und ihrer Kollegin Anne Kurlemann sehr anschaulich beantwortet. Es war interessant zu sehen, welche verschiedenen Arten eines Gemüses es gibt und wie Knoblauch, Bamberger Zwiebeln oder blaue Hörnla wachsen. Bewundernswert ist das Engagement der Vereinsmitglieder, die oft jahrelang arbeiten müssen, bis sie ein Gemüse vermehrt haben.

Die Nisthilfe ist erhältlich in der Schilderwerkstatt der Lebenshilfe Bamberg, Moosstraße 65 (neben der KFZ-Zulassungsstelle), Öffnungszeiten: Montag-Freitag 8.00-12.00 Uhr, Dienstag: 8.00-17.30 Uhr, Mittwoch: 14.00-16.00 Uhr und in der Lebenshilfe-Werkstatt Ohmstraße 1, im Lager auf der Rückseite des Gebäudes, Verkaufszeiten: Montag-Freitag: 10.00-14.00 Uhr. Hier erhalten Kunden auch eine ausführliche Beratung und Anleitung für die Nisthilfe.

Der Bamberger Sortengarten existiert seit 2012 und ist wirklich sehr sehenswert. Neben den bekannten Bamberger Lokalsorten wie Knoblauch, Zwiebel, Rettich, Wirsing, dem Bamberger Hörnla und einer Vielzahl an Bohnen aus dem Bamberger Umland werden weitere „Immigranten“ ins Gärtnerviertel, wie Mangold, Tomaten und Paprika im Schaugarten angebaut. 

Im Jahr der Biodiversität liegt ein Schwerpunkt auf der Pflanzung verschiedener Varianten einer Art. So gibt es fünferlei alte Kartoffel- oder acht verschiedene Tomatensorten. Außerdem werden im Schaugarten verschiedene Stadien der Nutzpflanzenvermehrung sichtbar gemacht und erklärt.

Während der Gartensaison bewirtschaften und pflegen einige Mitglieder des Vereins den Schaugarten im Herzen der Gärtnerstadt. Mindestens einmal die Woche treffen sich die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, unterstützt durch das fachkundige Wissen einer Gärtnermeisterin, im Sortengarten, um hier die seltenen Lokalsorten zu kultivieren, zu bewässern, von Unkraut zu befreien und um anschließend, im Herbst, das wertvolle Saatgut für die kommende Saison zu gewinnen.

Adresse des Bamberger Sortengartens
Mittelstraße - Zugang über das Gärtner- und Häckermuseum (Mittelstr. 34 )
96052 Bamberg

Öffnungszeiten
Mai bis 31. Oktober

Dienstag – Sonntag
11 – 17 Uhr

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